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Wien: Stigmatisierung kann tödlich sein
eingereicht durch Matthias & Markus am Dienstag, 20. Juli 2010 (27 gelesen)
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 Im Rahmen der 18. Internationalen AIDS-Konferenz veranstaltete die Inter-Parliamentary Union (IPU) im österreichischen Parlament eine Konferenz, welche sich mit der Ausgrenzung durch Illegalität von HIV/Aids-Erkrankten beschäftigte. Das ohnehin schwerwiegende Problem einer HIV-Infektion oder der bereits ausgebrochenen Krankheit wird zudem vergrößert, wenn sich Menschen gezwungen sehen, die Öffentlichkeit und damit auch die Gesundheitsversorgung zu meiden. Denn das Bewusstsein für die Probleme von Menschen, die unter Aids leiden, ist oft nicht ausgeprägt. Oft leiden die Betroffenen nicht nur unter der Krankheit sondern auch unter sogenanntem „sozialen Aids“: Sie werden ausgegrenzt, stigmatisiert, verlieren ihre Arbeit und ihr soziales Netzwerk.
Im österreichischen Parlament eröffnete Bundesratspräsident Martin Preineder heute Vormittag gemeinsam mit IPU-Vizepräsident Geert Versnick eine ParlamentarierInnen-Tagungen über „Legislative Aspekte von HIV im Bezug auf die davon besonders betroffenen Bevölkerungsgruppen“.
„Das Fundament des Rechts ist die Humanität“ - mit diesem Zitat Albert Schweitzers leitete Martin Preineder seine Ausführungen ein und unterstrich seine Überzeugung, dass eine wirkungsvolle Antwort auf HIV den Schutz der Menschenrechte der Betroffenen voraussetze. Die Therapien für HIV/Aids-PatientInnen in Österreich würden greifen, die Lebenserwartung der Betroffenen sei mittlerweile fast so hoch wie jene von HIV-Negativen, so der Bundesratspräsident.ParlamentarInnen beraten über Hilfe für HIV/Aids-BetroffeneHIV-Positive würden aber nicht nur unter den Nebenwirkungen der Medikamente leiden, sondern insbesondere unter Problemen in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen: „Wir leiden unter Diskriminierung, nicht das Virus ist tödlich, es ist die Stigmatisierung, die mitunter tötet“, laute die Klage der Betroffenen.
Weiters warnte der Bundesratspräsident davor, die nach wie vor unheilbare Krankheit Aids zu unterschätzen, und schlug angesichts zunehmender Sorglosigkeit bei Jugendlichen vor, die Öffentlichkeitswirkung der Wiener Großveranstaltung für Werbung zugunsten der Prävention zu nutzen.
Überdies dürfe man auch in Zeiten der Wirtschaftskrise nicht übersehen, dass zwei Drittel aller HIV/Aids-Betroffenen in den ärmeren Ländern keine Therapie erhalten: „Wer die Ärmsten dieser Welt gesehen hat, fühlt sich reich genug zu helfen“, zitierte Martin Preineder noch einmal Albert Schweitzer.
Er selbst fand es richtig, dass sich die Konferenz auf Diskriminierung und Stigmatisierung von HIV/Aids-Kranken konzentriere. Denn Diskriminierung erschwere Prävention, Behandlung und Betreuung und Unterstützung der Betroffenen. Auch sei es notwendig, Tabuthemen wie Drogenabhängigkeit oder Prostitution ohne Scheuklappen anzusprechen.
Bundesratspräsident Martin Preineder rief die ParlamentarierInnen dazu auf, sich mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen vertraut zu machen, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu analysieren und steuernd einzugreifen. Mit einem Zitat Laotses schloss Martin Preineder: „Verantwortlich ist man nicht nur für das, was man tut, sondern auch für das, was man nicht tut.“
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