Berlin: Frauenrechte stärken - Internationaler Frauentag

eingereicht durch Matthias & Markus am Montag, 08. März 2010 (25 gelesen)

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Der Internationale Frauentag, der jährlich am 8. März begangen wird, erinnert immer wieder daran, dass es trotz der gesetzlich verbrieften Gleichberechtigung von Frauen und Männern und zahlreicher Erfolge auf dem Weg zu einer gelebten Gleichstellung auch in der Bundesrepublik Deutschland noch eine Menge zu tun gibt.

Was für viele junge Frauen heute selbstverständlich ist, haben ihre Mütter, Großmütter und deren Großmütter erkämpft und erstritten, so zum Beispiel das Wahlrecht für Frauen, gleiche Schul- und Ausbildungschancen für Mädchen und Jungen sowie das Recht auf eine eigenständige Erwerbsarbeit.

Doch trotz der meist besseren Schul-, Ausbildungs- und Studienabschlüsse von Mädchen und Frauen beträgt die Frauenrate im Spitzenmanagement bei den 100 umsatzstärksten Firmen in der Bundesrepublik Deutschland gerade einmal 0,9 Prozent, während in Europa der Anteil durchschnittlich bei 5 Prozent und in den USA sogar bei 20 Prozent liegt. Im europaweiten Vergleich der Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen liegt die Bundesrepublik Deutschland auf dem viertletzten Platz. Frauen verdienen in der Bundesrepublik Deutschland rund 23 Prozent weniger als Männer.

„Die strukturelle Diskriminierung von Frauen im Erwerbsleben und bei den Einkommen muss endgültig beseitigt werden“, fordert Prof. Dr. sc. Gunnar Winkel, Präsident des Sozial- und Wohlfahrtsverbandes Volkssolidarität, aus Anlass des Internationalen Frauentages am 8. März. „Die Einkommensunterschiede sowie die schlechteren Beschäftigungschancen für Frauen sind ein Skandal. Das gilt nicht zuletzt auch angesichts der Folgen für die Alterssicherung von Frauen. Ein wirksames Mittel dagegen wären Mindestlöhne.“ Doch die lehnen CDU/CSU und FDP nach wie vor kategorisch ab.

„Schlechte Verdienstmöglichkeiten und hohe Arbeitslosigkeit wirken sich auch negativ auf die Chancen von Frauen aus, für ein würdevolles Leben im Alter vorzusorgen.“ Winkler bezeichnet das als einen „nicht akzeptablen Zustand, der sich mit der Rente mit 67 für kommende Seniorengenerationen nur noch verschlimmern wird.“ Die Volkssolidarität fordere Einkommensgerechtigkeit für Frauen und Männer.

„Frauen in Deutschland sind nicht nur benachteiligt, wenn es um Einkommensverteilung geht. Sie arbeiten auch überproportional im Niedriglohnbereich und in Minijobs und sind überdurchschnittlich von Armut betroffen - dies gilt insbesondere für Alleinerziehende.“ Noch immer würde es Frauen schwer gemacht, Beruf und Familie zu vereinbaren, kritisierte der Verbandspräsident. „Häufig bleibt ihnen nur die Möglichkeit, in Teilzeit zu arbeiten.“ Positive Absichtserklärungen aus der Politik zum Beispiel zum Ausbau der Kinderbetreuung hätten daran bisher zu wenig geändert.

Strukturelle Diskriminierung von Frauen beseitigen

Die Europäische Kommission plant eine Reihe von Maßnahmen, um die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern in den nächsten Jahren erheblich zu verringern. Die durchschnittliche geschlechtsspezifische Lohndifferenz beträgt in der EU derzeit 18 Prozent. Um diese Differenz zu verringern, will die Kommission Arbeitgeber sensibilisieren, Initiativen zur Gleichstellung von Frauen und Männern fördern und die Entwicklung von Instrumenten zur Messung der geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede unterstützen. Gleichzeitig werden neue Rechtsetzungsmaßnahmen nicht ausgeschlossen.

„Ich bin sehr betroffen, dass sich die geschlechtsspezifische Lohndifferenz in den letzten 15 Jahren kaum verringert hat und in einigen Ländern sogar zunimmt“, sagte Vizepräsidentin Viviane Reding, EU-Kommissarin für Justiz, Grundrechte und Bürgerschaft. „In der derzeitigen Krisensituation kann sich Europa eine geschlechtsspezifische Lohndifferenz nicht leisten. Wir müssen alle Mittel einsetzen, um diese Lücke zu schließen. Zusammen mit den Mitgliedsstaaten werden wir uns bemühen, die geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede in der EU bis zum Ende der Amtszeit dieser Kommission deutlich zu verringern.“ Gleichzeitig kritisierte die Vizepräsidentin auch die Lohnunterschiede zwischen Männer und Frauen in der Bundesrepublik Deutschland geübt.

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock begrüßt die klaren Worte: „Viviane Reding erwartet von Deutschland mehr 'Ambition' und 'Tatendrang' in dieser Frage. Damit hat sie den Nagel auf den Kopf getroffen,“ sagte Sehrbrock am Sonntag in Berlin.

„Die Bundesregierung hat es bislang bei bloßen Appellen und unverbindlichen Vereinbarungen mit den Arbeitgebern belassen“, kritisierte Sehrbrock. „Wir brauchen endlich einen klaren gesetzlichen Rahmen, wie gleicher Lohn für Frau und Mann in absehbarer Zeit realisiert werden kann.“ Unternehmen könnten zum Beispiel zu regelmäßigen Audits und konkreten Maßnahmeplänen verpflichtet werden. „Andere Länder wie Frankreich und Kanada haben längst politische Schritte für eine faire Bezahlung von Frauen eingeleitet“, so Sehrbrock.

„Wie peinlich, zum Frauentag einen blauen Brief aus Brüssel zu bekommen“, so Sehrbrock weiter. Dies unterstreiche jedoch, dass die Überwindung der Lohn-Ungerechtigkeit nicht allein Sache der Frauen sei. „Das ist kein individuelles Problem, sondern ein gesellschaftliches. Und unser Grundgesetz gibt dem Staat einen klaren Auftrag (Art. 3, Abs. 2): Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“

Die Initiative zum Internationalen Frauentag wurde von der deutschen Feministin und Sozialistin Clara Zetkin beim internationalen sozialistischen Kongress 1910 in Kopenhagen ergriffen. Anlässlich des 100sten Jahrestags der Gründung des Internationalen Frauentags findet heute am 8. März 2010 eine internationale Konferenz in Zusammenarbeit mit KVINFO und der dänischen Nationalbibliothek statt.

 


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