 Wer anlässlich der fünften Jahreszeit und darüber hinaus nach Düsseldorf fährt, der sollte es nicht versäumen, einen Blick in das NRW-Forum Kultur und Wirtschaft zu werfen, welches wechselnde Ausstellungen, zeigt. So zum Beispiel die Robert Mapplethorpe Ausstellung, welche am Wochenende, 6./7. Februar 2010, von seiner Lebensgefährtin Patti Smith eröffnet wurde.  Robert Mapplethorpe: Self Portrait, 1988 © Robert Mapplethorpe Foundation. Used by permissionDer am 4. November 1946 in New York City geborene und am 9. März 1989 in einem Bostoner Krankenhaus an den Folgen seiner HIV-Infektion verstorbene Robert Mapplethorpe ist einer der wenigen Künstler, denen es vergönnt ist, weit über die Grenzen der Kunstwelt hinaus bekannt zu werden. Er dominierte die Fotoszene des ausgehenden 20. Jahrhunderts und öffnete den Weg zur Anerkennung der Fotografie als Kunstform, er verankerte das homosexuelle Sujet in der Massenkultur; er entwarf in der Fotografie ein klassizistisches Bild vom meist männlichen Körper, das Eingang in die kommerzielle Fotografie fand.
Jetzt zeigt das NRW-Forum Düsseldorf eine umfassenden Museums-Ausstellung mit Fotografien Robert Mapplethorpes nach den großen internationalen Tourneen, die in Deutschland 1981 in Frankfurt, Hamburg, München und 1997 in Stuttgart Station machten; 1992 war in der Düsseldorf Kunsthalle die Ausstellung „Mapplethorpe versus Rodin“ gezeigt worden.
Insbesondere in den USA wurde zu Lebzeiten und postum Mapplethorpes Werk kontrovers diskutiert; bis zum Ende des 20. Jahrhunderts wurden Ausstellungen seiner Fotografien boykottiert, zensiert oder geschlossen. Umstritten waren stets seine radikalen Darstellungen von Nacktheit und sexuellen Handlungen. Insbesondere Fotos sado-masochistischer Praktiken führten dazu, dass es bei Ausstellungen Protestkundgebungen gab und Museumsdirektoren verklagt wurden. In Japan hat das Oberste Gericht erst 2008 festgestellt, dass Mapplethorpes erotische Bilder nicht gegen das Pornografieverbot verstießen und damit einen acht Jahre lang beschlagnahmten Band mit Mapplethorpe-Fotografien freigegeben. Für den amerikanischen Kritiker Arthur C. Danto schuf Mapplethorpe „einige der schockierendsten – und gefährlichsten – Bilder der modernen Fotografie oder sogar der Kunstgeschichte“.Zu Lebzeiten und postum wird Mapplethorpes Werk kontrovers diskutiert Robert Mapplethorpe: Lowell Smith, 1981 © Robert Mapplethorpe Foundation. Used by permissionIn Deutschland dagegen gehörten Mapplethorpes Fotografien zur „ästethischen Sozialisation“ der Generationen, die in den 80er und frühen 90er Jahren aufwuchsen, wie Lisa Ortgioes, Moderatorin von frau tv, anmerkt - die Fotografien wurden damals als Poster vertrieben und vor allem die „schwarzen“ Portraits fehlten in kaum einer WG. „Allerdings“, so bemerkt Kurator Werner Lippert „bedarf diese Ausstellung auch keiner Rechtfertigung. Weil Mapplethorpe unbestritten einer der wichtigsten Fotografen des 20. Jahrhunderts war. Sie ist eine künstlerische Notwendigkeit.“ Was Mitte der 80er Jahre vorrangig die Zensur beschäftigte, ist inzwischen museumswürdig geworden und nicht mehr Gegenstand juristischer Auseinandersetzungen, sondern soziologischer und formalästhetischer Analysen.
Die Ausstellung im NRW-Forum umfasst alle Bereiche Mapplethorpes Schaffen wie Portraits und Selbstportraits, Homosexualität, Aktfotografien, Blumenaufnahmen und als Quintessenz die fotografischen Aufnahmen von Skulpturen; sie schließt die frühen Polaroids ein. Die Ausstellung ordnet die Fotografien nach Themen wie Selbstportraits einschließlich jener berüchtigten Aufnahme, die ihn mit einer in seinen Anus eingeführten Bullenpeitsche zeigt, und geradezu poetischen Aufnahmen seiner Gefährtin Patti Smith; den Fotografien schwarzer Männer versus weißer Frauen, wie der Bodybuilderin Lisa Lyon; der Gegenüberstellung von Penissen und Blumen, die Mapplethorpe in einem Interview selbst provozierte: „… I've tried to juxtapose a flower, then a picture of a cock, then a portrait, so that you could see they were the same.“; und schließlich jenen Aufnahmen von klassischer Schönheit, die sich an den Skulpturen der Renaissance orientierten, sowie den beeindruckenden Portraits von Kindern und Berühmtheiten seiner Zeit.
Diese Zusammenstellung zeigt Robert Mapplethorpe - bei allen offensichtlichen Rückgriffen auf die Schönheitsideale der Renaissance wie auf die fotografische Historie von Wilhelm von Gloeden bis Man Ray - als einen Künstler, der in seiner Zeit verankert ist; seine Zeitgenossen sind Andy Warhol und Brice Marden; Polaroids sind in den 1970er Jahren das Medium der Wahl und die Auseinandersetzung mit Körper und Sexualität ist bei vielen Künstlern - etwa Vito Acconci oder Bruce Nauman - ein Thema, das zentral für einen gesellschaftlichen Wandel war. Vor allem aber entwickelt Robert Mapplethorpe einen eigenen fotografischen Stil, der den Idealen von Perfektion und Form huldigt. „I look for the perfection of form. I do this in portraits, in photographs of penises, in photographs of flowers.“. Die Präsentation auf schneeweißen Wänden trägt dieser Betrachtung Rechnung und führt weg von der verschämten Boudoir-Präsentation auf flieder- und lila-farbenen Wänden, wie sie jahrelang die Ausstellungen Mapplethorpes beherrschten, und öffnet den Blick für eine eher konzeptionelle, minimalistische Betrachtung der Werke.
Die Auswahl von 150 Fotografien umspannt frühe Polaroids von 1973 bis hin zu seinen letzten Selbstportraits aus dem Jahr 1988, die ihn bereits gezeichnet vom nahen Tod zeigen, und präsentiert viele bekannte, geradezu ikonische Motive aber auch bislang nie oder nur selten gezeigte Arbeiten. Sie schöpft aus dem Fundus der New Yorker Robert Mapplethorpe Foundation. Info: Robert Mapplethorpe
6. Februar - 15. August 2010 NRW-Forum Kultur und Wirtschaft, Ehrenhof 2, 40479 Düsseldorf, http://www.nrw-forum.de Öffnungszeiten: Di - So: 11 - 20 Uhr, Fr: 11 - 24 Uhr Jugendliche unter 16 Jahren dürfen nur in Begleitung Erwachsener die Ausstellung besuchen.
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