Frankfurt am Main: Wenn die eigene Kraft nicht mehr reicht

eingereicht durch Matthias & Markus am Freitag, 05. Februar 2010 (34 gelesen)

Gesundheitsfragen

Das neue Evangelische Hospiz Frankfurt in der Rechneigrabenstraße 12 hatte die ersten PatientInnen bereits Ende November 2009 aufgenommen, da die im letzten Jahr im Sommer begonnenen Renovierungs- und Sanierungsarbeiten am Gebäude im November letzten Jahres abgeschlossen wurden. Heute, Freitag, den 5. Februar 2010, wurde das Hospiz nun offiziell seiner Bestimmung übergeben.

Hospize gibt es bereits seit dem Mittelalter. Als „Raststätten am Wege“, die von Klöstern betrieben wurden, waren sie auch damals schon Anlaufstellen für Kranke. Heutzutage sind Hospize Pflegeeinrichtungen für Menschen, die aufgrund einer nicht mehr heilbaren Krankheit nur noch eine sehr begrenzte Zeit zu leben haben.

Bereits zu Beginn der 1990er Jahre wurden im Bereich der Evangelischen Kirche von Frankfurt am Main Überlegungen angestellt, ein Hospiz zu gründen. Aus praktischen Erwägungen entstand zunächst ein Krankenhaus für Menschen, deren Leiden nicht mehr geheilt werden kann: Das Evangelische Hospital für Palliativmedizin in der Rechneigrabenstr. 12.

Nachdem nun das Evangelische Hospital für Palliative Medizin seine Pforten am 30. Juni 2009 geschlossen hatte und zum 1. Juli 2009 in die Trägerschaft der Frankfurter Diakonie-Kliniken gemeinnützige GmbH wechselte, wurde der Weg frei für das Hospiz. Das bisherige Ärzteteam, ein Großteil des Pflegepersonals und zahlreiche TherapeutInnen arbeiten jetzt auf der Palliativstation des Markus-Krankenhauses in Ginnheim.

Wirtschaftliche Notwendigkeiten seien aber nur ein Grund für den Wechsel betonte Pfarrerin Esther Gebhardt, Vorstandsvorsitzende des Evangelischen Regionalverbandes: „Frankfurt braucht ein evangelisches Hospiz. Ein Hospiz ist der wesentliche dritte Baustein in der Versorgung eines Patienten am Lebensende, neben der Palliativmedizin im Krankenhaus und den Ambulanzdiensten, mit denen wir weiter eng zusammenarbeiten werden.“

Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig

Die neue Einrichtung in der Rechneigrabenstraße umfasst nun 12 Plätze und soll vor allem auch als Hospiz für die Frankfurter Diakonie-Kliniken fungieren, zu denen neben dem Markus-Krankenhaus das Bethanien- sowie das Diakonissen-Krankenhaus gehören. Aufgabe ist die spezialisierte Betreuung und Versorgung schwerstkranker Menschen in der letzten Lebensphase unter Berücksichtigung größtmöglicher Lebensqualität und Selbstbestimmung.

Betreut werden die derzeit sechs Menschen, die in Einzelzimmern leben, durch ein Team von 14 MitarbeiterInnen: Neun Pflegekräfte, vier Hauswirtschaftskräfte und ein Seelsorger. Hinzu kommen 21 ehrenamtliche HospizhelferInnen, neun weitere werden noch gesucht. Ferner sind noch fünf Vollzeitstellen unbesetzt. Die ärztliche Versorgung wird durch sieben niedergelassene Mediziner gewährleistet, mit denen das Hospiz kooperiert. Bisher wurden 13 Menschen bis zu ihrem Lebensende begleitet, sie lebten dort, nach Angaben von Pfarrerin Esther Gebhardt, von einem Tag bis zu 33 Tagen. Die meisten litten unter Tumorerkrankungen, gefolgt von Aids und chronischen Erkrankungen.

Ein christliches Menschenbild bildet dabei die Grundlage. Der hauptamtlich tätige Seelsorger begleitet die PatientInnen und ihre Angehörige und feiert mit ihnen regelmäßig Gottesdienste und Andachten. Einmal monatlich wird für die Angehörigen der Verstorbenen ein Gedenkgottesdienst angeboten. Dabei legt das Hospiz Wert auf die Feststellung, dass sie niemanden ihre Glaubensvorstellungen und Rituale aufdrängen, sondern Eigenständigkeit und Selbstverantwortung fördern. Ihre Aufgaben sehen sie in der Sterbebegleitung - Sterbehilfe lehnen sie ab.

Betrieben wird das Evangelische Hospiz Frankfurt von einer gemeinnützigen GmbH, zu deren Gesellschaftern der Evangelische Regionalverband Frankfurt am Main sowie die Frankfurter Diakonie-Kliniken gehören. Geschäftsführerin ist Dr. Dagmar Müller. Die Kosten für den Aufenthalt im Hospiz werden zum Einen von den Kranken- und Pflegekassen, zum Anderen von der Evangelischen Kirche, die bis zu jährlich 150.000,- Euro aus Kirchensteuermitteln dazu gibt, finanziert.

 


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