20. Jahrestag Paneuropäisches Picknick

Ungarische oppositionelle Gruppen um das Ungarische Demokratische Forum sowie die Paneuropa-Union luden am Vorabend des Ungarischen Nationalfeiertags zum „Paneuropäischen Picknick“ bei Fertörákos an der österreichisch-ungarischen Grenze. Dabei wurde ein jahrzehntelang geschlossenes Grenztor an der alten Pressburger Landstraße für einige Stunden geöffnet. Dies war der Moment für viele DDR-BürgerInnen die Flucht durch den „Eisernen Vorhang“ zu wagen. Und sie schafften es.© Cuchulainn/Wikipedia.deDer „Eiserne Vorhang“ war neben einer geografischen Linie vor allem auch eine ideologische Grenze und ist für die Betroffenen oft bis heute eine Trennlinie geblieben. Obwohl vor Ort nur noch wenig an diese Zeit erinnert. Wer heute den historischen Ort aufsucht, tut sich schwer, Spuren dieses historischen Ereignisses zu finden: Zwei Grenzschranken in den ungarischen Farben „rot-weiß-grün“ auf der einen und eine Grenzschranke in den österreichischen Farben „rot-weiß-rot“ auf der anderen Seite zeugen auf der alten Pressburger Straße davon. Dann ein strahlend weißer Grenzstein, 1 Meter von der österreichischen Grenzschranke entfernt, mit „M“ auf der einen und „A“ auf der anderen Seite.

Dazu ein Denkmal ungarischer Künstler an der Stelle des Grenzdurchbruchs, welches eine sich öffnende Tür darstellt. An die Grenzöffnung erinnert auch eine zehn Meter hohe Plastik aus Edelstahl. Das auf einer kleinen Anhöhe stehende Werk, geschaffen von der Künstlerin Gabriela von Habsburg, zeigt ein Stück aufgestellten Stacheldraht, der aus der Ferne die Form eines Kreuzes hat.

Erster Riss im „Eisernen Vorhang“

Nachdem Ungarn am 2. Mai 1989 mit dem Abbau der Grenzanlagen zu Österreich begonnen hatte, wurde die Grenze am 19. August 1989 erstmals für einige Stunden geöffnet. Der „Eiserne Vorhang“ bekam einen Riss. Denn Ungarn und Österreicher wollten an diesem Tag bei einem Picknick einen Nachmittag lang von einem Europa ohne Grenzen träumen. Höhepunkt sollte die symbolische Öffnung eines alten Grenztors sein. Drei Stunden sollten Österreicher, nach Vorlage ihrer Pässe, die Grenze überschreiten, um am Picknick teilzunehmen. Das Picknick war eine Idee der Paneuropäischen Union und des ungarischen oppositionellen Demokratischen Forums. Schirmherren waren der Präsident der Paneuropäischen Union, Otto von Habsburg, und der Reformer Imre Pozsgay, damals ungarischer Staatsminister.

Der zeremonielle Akt, den die Veranstalter des „Paneuropa-Picknicks“ für die Grenzöffnung geplant hatten, konnte jedoch nicht stattfinden. Mehrere hundert DDR-BürgerInnen drückten gegen das nicht besonders stabile Holztor und machten sich so den Weg nach Österreich frei. Unter den DDR-BürgerInnen in Ungarn hatte sich die mit Flugblättern beworbene Veranstaltung wie ein Lauffeuer herum gesprochen. Zahlreiche Fluchtwillige erschienen, doch nicht alle trauten sich. Immerhin fast 700 DDR-BürgerInnen gelang die Flucht nach Österreich. Trotz geltendem Schießbefehl hatten die ungarischen Grenzsoldaten auf Grund eines Stillhalteabkommens zwischen Staatsminister, Innenminister und Grenztruppenchef weggeschaut. So wurde das „Tor bei St. Margarethen“ zum ersten Riss im Eisernen Vorhang, knapp drei Monate, bevor auch die Berliner Mauer fiel.

Gorbatschow tolerierte das Geschehen; Proteste der DDR-Führung wurden ignoriert. Zehntausende DDR-Bürger zogen daraufhin los und campierten in Budapest und am Balaton. Im September 1989 ließ Ungarn die Grenzbalken für immer hochgehen. Eine Massenflucht von Deutschen aus der DDR in die Bundesrepublik begann. Damit hatte Ungarn den ersten Dominostein bewegt: Die Teilung Deutschlands war bald Geschichte, die europäische Einigung begann.

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