AIDS weltweit bekämpfen
Weltweit steigt die Zahl der Neuinfektionen mit HIV/AIDS. Auch in Deutschland ist die Gefahr nicht gebannt. Aufklärung und Prävention, aber auch Solidarität mit den Betroffenen sind deshalb grundlegende
Bestandteile der umfassenden AIDS-Strategie der Bundesregierung.Mit dem am 13. Juli vom Bundeskabinett beschlossenen Strategiepapier hat die Bundesregierung ihre bewährte nationale und internationale Politik zur Bekämpfung von HIV/AIDS zusammengefasst. Die gemeinsam von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt und Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul vorgestellte
Strategie beschreibt die Situation, die Herausforderungen für die Politik, Ziele und Lösungsansätze.
Keine Gesellschaft kann es sich leisten, AIDS zu ignorieren
Jährlich sterben weltweit drei Millionen Menschen an HIV/AIDS, 40 Millionen sind infiziert. "Allein in Subsahara-Afrika leben 12 Millionen Aids-Waisen - das sind genauso viele Kinder wie in Deutschland insgesamt leben", sagte Wieczoreck-Zeul. Im Jahr 2004 haben sich 4,9 Millionen Menschen neu infiziert - die Tendenz ist steigend.
Hinter diesen nüchternen Zahlen verbirgt sich großes menschliches Leid bei den Betroffenen. Die Krankheit ist aber auch ein gravierendes gesellschaftliches und wirtschaftliches Problem, und sie führt zu
Rückschlägen in Erziehung, Bildung und sozialer Entwicklung.
Die HIV/AIDS-Strategie der Bundesregierung unterstützt das internationale Ziel, bis zum Jahr 2015 die Ausbreitung der Immunschwächekrankheit zu stoppen. "Wir als Bundesregierung haben die Bekämpfung von HIV/AIDS zu einem Schwerpunkt unserer Entwicklungszusammenarbeit gemacht und stellen dafür pro Jahr rund 300 Millionen Euro zur Verfügung", erklärte Wiekzorek-Zeul.
Neue Sorglosigkeit im Umgang mit Aids
Auch in Deutschland ist und bleibt Aids ein Thema. Die Infektionsrate ist jedoch dank Aufklärung und Information im internationalen Vergleich relativ niedrig. In Osteuropa allerdings hat die Zahl der
Neuinfektionen erschreckend zugenommen.
Durch Beratung und Therapie konnte die Lebenserwartung Infizierter in den letzten Jahren erheblich verlängert werden. "Das führt dazu, dass
in der Bevölkerung die Lebensbedrohlichkeit der Infektion nicht mehr so wahrgenommen wird", sagte Schmidt. Vorbeugendes Verhalten nehme ab. Gerade unter jüngeren Menschen breitet sich eine neue Sorglosigkeit
aus.
Die Hauptziele in der HIV/AIDS-Bekämpfung sind in sieben Punkten zusammengefasst (wir berichteten). "Mit dieser Strategie wollen wir national, europäisch und global handeln", betonte die Bundesgesundheitsministerin. Die bis heute größte und bekannteste Gesundheitskampagne in Deutschland ist die im Auftrag der Bundesregierung mit der
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) durchgeführte Kampagne "Gib AIDS keine Chance". Wichtiges Kernstück, um Menschen vor
einer HIV-Infektion zu bewahren, bleibt - solange es keinen effektiven Impfstoff gibt - die Nutzung von Kondomen.
HIV/AIDS-Infizierte
Deutschland: In Deutschland liegt die HIV-Infektionsrate im
internationalen Vergleich relativ niedrig. Doch auch hier ist die Zahl der Neu-Infizierten aktuell wieder angestiegen. Waren 2002 insgesamt 1.735 neu-infizierte Personen registriert, so waren es 2004 bereits 1.928. Daneben ist ein starker Anstieg von Sexualkrankheiten wie
Syphilis zu verzeichnen, die die HIV-Infektion begünstigen.
Afrika (Länder südlich der Sahara): Die am stärksten betroffene Region der Welt ist Afrika südlich der Sahara. Dort sind in einigen Ländern inzwischen mehr als 30 Prozent der Bevölkerung zwischen 15 und 49
Jahren mit HIV infiziert. Besonders betroffen sind junge Schwangere,
die mit hoher Wahrscheinlichkeit das Virus auf das Kind übertragen. Viele dieser infiziert geborenen Kinder sterben ohne entsprechende Therapie vor Erreichen des fünften Lebensjahres.
Mittel- und Osteuropa: Die Ausbreitung von HIV in Mittel- und Osteuropa ist seit Mitte der Neunziger Jahre besorgniserregend
angestiegen. Derzeit sind rund 1,4 Millionen Menschen mit HIV infiziert. 1995 lag die Zahl bei nur 160.000. Mehr als 80 Prozent der Infizierten sind unter 30 Jahren. Insbesondere Lettland, Estland,
Russland, Weißrussland und die Ukraine haben im Vergleich zu Deutschland sehr hohe Infektionsraten innerhalb der erwachsenen Bevölkerung.

